Kompatibilität im Internet

Datenaustausch zwischen Computern sollte heutzutage mit Hilfe von Datenträgern und Internet eigentlich kein Problem sein. Aber dennoch steckt dabei der Teufel im Detail. Denn trotz aller Versuche der Vereinheitlichung gibt es erhebliche Unterschiede.

Das fängt bei der Hardware und beim Betriebssystem an, geht über die verschiedenen Programme und Programmversionen, und endet letztlich im Datenformat.

Damit also der Datenaustausch trotz aller Widrigkeiten dennoch einigermaßen (denn niemals geht es ohne) Schwierigkeiten funktioniert, sollte sich jede Person zuvor überlegen wem (also welches Zielrechnersystem) sie was (Datenformat) schickt.
Dann klapp es auch mit dem Nachbarn. ;-)

Computersysteme

Das überhaupt ein relativ problemloser Datenaustausch zwischen Computern möglich ist, liegt an der Vereinheitlichung der wesentlichsten Zeichen (Buchstaben, Zahlen, ... - Alle Zeichen unterhalb der Zahlenkodierung 127) für zum Beispiel den Mailverkehr. Diese Normierung nennt sich ASCII (American standard code for information interchange), die in den USA entwickelt und sich als Standard für (fast) alle Computersysteme durchgesetzt hat. Leider ist Microsoft mit Windows ein wenig davon abgewichen und hat den ANSI-Zeichensatz entwickelt. Dennoch sind die wesentlichsten Buchstaben auf allen System identisch.

Datenaustausch und Datenträger

Der Datenaustausch über das Internet mag vielen als einfachste Form vorkommen. Allerdings sind hier auch ein paar kleine Tücken versteckt. So sind zwar alle Computersysteme bei der Zeichenkodierung im Bereich der ersten 127 Zeichen identisch, aber die anderen Zeichen weichen stark voneinander ab. So kann eine Email von einem MacIntosh mit Umlauten zwar von einem Linux-System gelesen werden. Aber die Umlaute werden als ganz andere Zeichen dargestellt.
Zudem haben einige Leute inzwischen DSL-Flaterates, mit denen sie durchaus grössere Datenmengen verschicken können. Allerdings besitzen viele Personen (so auch ich) privat immer noch Modems, bei denen jedes MegaByte an Daten (und diese werden durch das spezielle Mailverfahren etwa zu etwa einem siebtel größer!) ca. 5 Minuten braucht. Hinzu kommt noch, daß viele Leute einen mehr oder weniger begrenzten Platz in ihrer Mailbox haben.

Als Tip daher: Wenn das System der Email-empfangenden Person unbekannt ist, dann keine Umlaute oder Sonderzeichen in der Mail selbst verwenden! Innerhalb des Dokumentes geht es (s.u.). Und möglichst keine formatierten Mails verschicken. Diese werden mit HTML formatiert und nicht jedes Mailprogramm kann dieses entsprechend darstellen! Und immer nur kleine Dateien - also unter einem MegaByte - an die Mail anhängen! Oder im Zweifelsfalle immer nachfragen bevor es verschickt wird!!

Wenn der Austausch der Daten tatsächlich noch mit Datenträgern geschehen soll, muß natürlich das Zielsystem noch mehr berücksichtigt werden. Zumal MacIntosh zwar für den PC formatierte Disketten lesen können, aber PCs dieses nicht umgekehrt. Auch hier ist der Marktgigant wiedermal nicht so flexibel wie die Konkurrenten.

Doch nun zu den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Datenträgern. Diese Liste erhebt - wie auch der ganze Text - keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit.

Datenträger ca. Datenmenge Vorteile Nachteile
3 1/2" Disketten (normal) 1,4 MB Immer noch ideal für kleine Datenmengen. Klein, relativ stabil und super billig. Und fast alle Computer besitzen ein solches Laufwerk. Leider oft zu klein. Dann muß das Ganze komprimiert werden und da gibt es oft Schwierigkeiten mit dem Zielsystem. Zudem besitzen manche Computer (Laptops, Mac) nicht mehr unbedingt Diskettenlaufwerke. Auch die Datensicherheit ist leicht zu zerrütten - ein bißchen Kaffee, Rauch, Magnetfelder, Feuchtigkeit, Staub, Fussel, ...
3 1/2" Disketten (Superdisk) 120 MB bzw. 240 MB Sehr gute Alternative zur normalen Diskette. Relativ große Datenmengen platzsparend untergebracht Da eine Superdisk ein spezielles Laufwerk benötigt und diese nicht sehr weit verbreitet sind, ist es als Austauschmedium nur nach vorheriger Absprache geeignet. Ansonsten hat es die gleichen Datensicherheitsmängel wie die normalen Disketten mit der Ausnahme, daß es zu dem Medium i.d.R. eine stabile Platikschachtel gibt.
ZIP-Medien 100, 250 bzw. 750 MB Leicht wie ein Diskette zu transportieren, hohe Datenmenge - insbesondere bei den neuen 750 MB Medien, und in bestimmten Branchen (Mediengestalter, Designer, Druckereien) relativ weit verbreitet. Etwas dicker als eine Diskette, aber dafür auch stabiler, ist ein solches Medium ähnlich anfällig wie eine Diskette. Und die hohe Verbreitung haben vor allem die 100 MB Laufwerke die die anderen Medien nicht lesen können.
Jaz-Medien ca. 2 GB Hohe Datenmengen bei vergleichbar geringem Platzbedarf. Sehr geringe Verbreitung der Laufwerke (höchstens in bestimmten Kreisen von Designern). Medien sind relativ teuer und leiden an ähnlichen Datensicherheitsmängeln wie Disketten und ZIPs
Memory-Sticks 32, 64, 128, 256, 512 bzw. 1024 MB Kaum größer als ein Stift (daher auch leicht zu verlegen) funktionieren die meisten an jeden USB (bzw. es gibt auch FireWire Varianten) Port und werden automatisch von den meisten Betriebssystemen (Mac, Win2000, ...) als Laufwerke erkannt. und dies auch im laufenden Betrieb (Hot-Plug). Sie haben ein relativ stabiles Gehäse und die Daten lassen sich - ähnlich wie bei Disketten - leicht mit einem Schalter schreib-schützen. Es wird - wie gesagt - ein entsprechender Port gebraucht und der ist bei alten Computern nicht vorhanden. Zudem benötigen ältere Betriebssysteme (z.B. Win98) die mitgelieferten Treiber.
CD-Rom 650, 700 bzw. 800 MB Durch die hohe Verbreitung von CD- bzw. DVD-Laufwerken in Computern (Ausnahme hier nur bestimmte Laptops) der ideale Datenträger für umfangreiche Daten. Zudem sind CD-Roms weniger empfindlich als Disketten oder ähnliches. Die Daten sind festgebrannt und das Medium daher nicht für anderes weiterverwendbar. Auch die Empfindlichkeit gegen zu viel Sonnenlicht und Hitze sind zu berücksichtigen. Manche alte CD-Rom-Laufwerke lesen nicht alle gebrannten CDs wegen Problemen mit der Größe (über 650 MB) und dem Material (verschiedene Farben des Materials der CD werden nicht von allen Lasern sauber gelesen).
CD-RW wie CD-Rom wie CD-Rom. Allerdings können hierbei die Daten auch wieder auf dem Datenträger gelöscht werden. wie CD-Rom. Und manche alten CD-Laufwerke lesen keine CD-RWs.
externe Festplatten über 10 GB Es können fast beliebig große Datenmengen transportiert werden. Und wenn die Festplatte über eine USB oder FireWire Verbindung verfügt ist sie fast überall einsetzbar. Es wird ein entsprechender Anschluß benötigt. Und eine Festplatte läßt sich nicht per Hardware vor dem Überschreiben schützen. Eine solche Festplatte ist auch nicht besonders klein (etwa von der Größe eines dicken Buches) und sollte einigermaßen vorsichtig transportiert werden, da Festplatten anfälliger für Erschütterungen sind als die normalen Datenträger.

Programme und Programmversionen

Die einfachste Methode Daten weiter zu geben, ist sicherlich die, die Datei die mit dem entsprechenden Programm (z.B. Word, PhotoShop, PageMaker) erstellt worden ist, einfach auf einem Datenträger zu packen oder per Email zu verschicken. Dazu muß die Person, die diese Datei bekommen soll, i.d.R. das Programm ebenfalls besitzen, da die wenigsten Programme fremde, d.h. von einem anderen Programm erstellte, Dateien öffnen können.

So ist zum Beispiel Word von Microsoft gerade mal in der Lage ein paar wenige Datenformate anderer Mitkonkurrenten zu lesen. Starwriter von SUN hingegen ist dabei etwas flexibler und kann auch das Microsoftformat einlesen.

Darüber hinaus gibt es noch die Hürde, daß unterschiedliche Programmversionen sich untereinander kaum oder garnicht "verstehen" bzw. nur aufwärts kompatibel ist (aber oft auch nicht mit allen Versionen!). So läßt sich zum Beispiel ein Word 6-Dokument mit Word 2000 (Version 9) öffnen. Umgekehrt jedoch nicht. Allerdings bekommt auch Word 2000 Schwierigkeiten, wenn es ein Word 5.5-Dokument (noch unter DOS laufendes Programm) öffnen soll. Diesen Konverter, d.h. das Zusatzmodul innerhalb eines Programms zum Konvertieren von anderen Datenformaten in das eigene, hat Microsoft nicht mehr Standard-mäß hinzugefügt.

Datenformate

Ob es nun an der einschränkenden Politik einer Softwarefirma, an den proprietären Datenformat (insbesondere wenn es anderen nicht offengelegt wird), oder schlicht an der Unmenge an verschiedensten Datenformaten liegt, ist nur im Einzelfalle zu sehen. Fakt ist, daß (fast) jedes Programm sein eigenes Datenformat generiert, und somit das selbe Programm bei der empfangenden Person i.d.R. einfordert.

Glücklicherweise haben sich doch ein paar "Standards" über einen längeren Zeitraum herausgebildet. Diese sind nicht generell und weltweit festgeschrieben, aber dennoch erfreuen sich diese Datenformate gerade wegen ihrer weiten Verbreitung und des problemloseren Umgangs einer großen Beliebtheit. Vor allen wenn es um den Austausch von Daten geht.

Vorab noch ein Pro und Kontra zu den "universelleren" Datenformaten: Diese universellen Datenformate können zwar von fast allen Computersystemen (und Programmen) gleichermaßen gelesen werden, aber sie sind leider oft nicht so flexibel wie die originären der Programme. So zum Beispiel gehen die Einstellungen der Ebenen komplett verloren, wenn aus PhotoShop eine TIFF-Datei erzeugt wird. D.h. für die komfortable Bearbeitung ist das Programm-eigene Format immer am besten geeignet. Ideal ist es natürlich auch, wenn die Empfängerperson das selbe Programm (und Version!) besitzt. Ansonsten muß dann doch ein sogenanntes "Austauschformat" benutzt werden.

Hier nun ein paar Datenformate, die sich für den (fast) problemlosen Austausch von Daten eignen. Wichtig ist die Unterscheidung von "weiter-bearbeitbaren" und "Endformaten". Letztere lassen sich nur mit viel Mühe oder/und unter starken Qualitätseinbußen weiterbearbeiten.

Auch hier erhebe ich keinen Anspruch auf Endgültigkeit, Verbindlichkeit oder Vollständigkeit. Es sind lediglich aus der Praxis erwachsene Erfahrungen.

Datentyp übliche Programme
und deren Erweiterungen
weiterverarbeitbares Datenformat endgütiges Datenformat
Dokumente
Briefe, Bücher, Notizen, Berichte, ...
Layout-Programme wie PageMaker (.p65), QuarkXPress (.qxd), Indesign und FrameMaker (.fm).
Textverarbeitungsprogramme wie Word (.doc), WordStar, WordPerfect (.wpf), StarWriter (.swr).
Satzprogramme wie TeX (.tex).
RTF - RichTextFormat (.rtf)
Hierbei werden alle Formatierungen (fett, kursiv, etc.) und auch alle Elemente (Bilder usw.) eines Dokumentes übertragen. Fast alle Programme, die Text ver- oder bearbeiten können, können dieses lesen.

ASCII (.asc oder .txt)
Bei diesem Format werden lediglich alle Zeichen, aber keinerlei Formatierungen übertragen. Ist gut geeignet wenn alles andere nicht funktioniert hat.
PDF - PortableDocumentFormat (.pdf)
Benötigt zwar ein spezielles Programm zum lesen (AcrobatReader) der aber kostenlos für fast alle Plattformen angeboten wird. Es verschiebt sich innerhalb des Dokumentes nichts mehr - läßt sich daher kaum oder schwer nur verändern.

PS - PostScript (.ps)
Spezielles Format für bestimmte Drucker. Es gibt eine Reihe von Programmen die dieses Format anzeigen lassen können (GhostView z.B.). Aber nicht sehr komfortabel von der Handhabung her.
Graphiken (Pixel)
Photos, Gemälde, Strukturen, ...
Bildbetrachter wie IrfanView, XNView, ThumbsPlus, die keine Graphiken in dem Sinne "produzieren".
Bildbearbeitungsprogramme wie PaintShopPro (.psp), PhotoShop (.psd), GIMP.
TIF(F) - Tagged Image File Format (.tif oder .tiff)
Ideal da es intern verlustfrei komprimieren kann, ein beliebige Farbtiefe besitzen kann, und sehr sehr weit verbreitet ist.

PNG - Portable Network Graphics (.png)
Eher im Bereich der Webseiten zu finden. Gute Kompressionsalgorithmen mit der Möglichkeit bis zu 256 Transparenzen zu definieren.
JP(E)G - Joint Picture Expert Group (.jpg oder .jpeg)
Durch hohe (verlusthaftige!) Kompressionen relativ kleine Bilder. Ideal für Photos und ähnliches.
Graphiken (Vektor)
Logos, Stadt- und Landkarten, ...
Vektorbearbeitungsprogramme wie Illustrator (.ai), Freehand (.fh), CorelDraw (.cdr). EPS - Encapsulated Postscript (.eps)
Im Prinzip ein eingepacktes PostScript - ideal für alle Vektorformate.
PDF - PortabelDocumentFormat (.pdf)
Da auch im PDF eine ganze Menge an PostScript steckt (ist ja schließlich von der selben Firma Adobe), eignet es sich auch sehr gut für Vektorformate.

© 02/2003 · Dirk Weikard